Praxisinternist

Interview mit Dr. Haldemann

Sind Sie noch Hausarzt?

Das kommt darauf an, wie man Hausarzt definiert. Als ich nach dem Studium in Splügen Hausarztvertretungen übernommen habe, habe ich eine solche Tätigkeit zweifellos kennengelernt. Doch das sind über dreissig Jahre her und das Gesundheitswesen hat sich in dieser Zeit stark verändert. In Splügen wurden Schultern reponiert, Herzinfarkte versorgt, Frakturen behandelt und Hausbesuche in abgelegenen Alphütten getätigt, die manchmal nur mit dem Schneebob erreichbar waren. Mindestens zwei Mal in der Woche musste man nachts wegen einem Notfall raus. Der Lohn war der Respekt und die Dankbarkeit der Bevölkerung. Nach dem Notfall gab es nebst einem warmen Händedruck einen Schnapps oder eine Tafel Schokolade. Die Gemeinde hat dem Bergdoktor das Haus mit der Praxis mietfrei zur Verfügung gestellt. Trotzdem wurde der Bergdoktor nicht reich. Tempi passati! Heute gibt es nur noch Grundversorger, Gesundheitsmanager oder Gatekeeper, wie immer man sie auch nennen will. Ihre Aufgabe ist es, Versicherte möglichst kostengünstig zu verwalten. Längst geht es nicht mehr um die Versorgung von Menschen. Meine Antwort lautet also Nein. Ein solcher Hausarzt will ich nicht sein, das entspricht nicht meinem beruflichen Selbstverständnis.


Was läuft Ihrer Meinung nach falsch?

Wie überall geht es immer ums Geld. Die Menschen sind gierig geworden und eine Prämie zu bezahlen ohne etwas dafür zu bekommen, finden viele unterträglich. Die Gesellschaft hat entscheidenen Reformen an der Urne verworfen. Weit verbreitet ist die Annahme, jeder Arzt sei automatisch reich und fährt einen Porsche. Man sieht, was man sehen will, um sich mit der Komplexität nicht auseinandersetzen zu müssen. Tatsache ist, dass die ärztliche Honorierung sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert hat. Das kann nicht sein, denn schliesslich zahle ich immer mehr Prämien, kommt zur Antwort. Ihre eigene gesteigerte Erwartungshaltung im Krankheitsfall und der technologische Fortschritt wird systematisch ausgeblendet. Die Politik setzt auf Prämienverbilligungen und besondere Versicherungsformen, bei denen der Versicherte sich einschränkt und der zuständige Hausarzt sich verpflichtet, ein Budget einzuhalten. Und dann ist man krank, geht zum Arzt, der ausgerechnet jetzt keine Zeit hat, worüber man sich wundert. Und der Frust wird grösser. Kläglich versagt haben die Gesundheitspolitiker und die ärztlichen Verbände, die ihre Hände in den Schoss legen.


Warum versuchen Sie diesen Misstand politisch nicht zu ändern?

Ich habe mich persönlich in zwei wichtigen Abstimmungen zum Gesundheitswesen engagiert und habe mich medial exponiert. Genützt hat es rein gar nichts, denn das Geld findet seinen Weg. Das hat mich bewogen, mich nie mehr politisch zu engagieren.


Für wenn ist die NanoPraxis?

Ic