Praxisinternist

Coronaravirus-Pandemie

Falls Sie krank werden und die Möglichkeit besteht, dass Sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben könnten.

Ruhe bewahren. Auf keinen Fall direkt die Hausarztpraxis aufsuchen! Rufen Sie die Hausarztpraxis an oder melden sich beim ärztlichen Notfalldienst unter der Nummer 0800 33 66 55

Häufige Fragen, beantwortet von Dr. med. René Haldemann. Die Antworten basieren auf dem heutigen Kenntnisstand (27.03.2020) und wurden nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet.

Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen? Die sogenannte Inkubationszeit beträgt Mittel fünf bis sechs Tagen bei einer Spannweite von einem Tag bis zwei Wochen.

Wird jeder Infizierte auch krank? Die überwiegend Mehrheit erkrankt nach Ansteckung. In Studien wurden 51 bis 81 Prozent ermittelt.

Wie rasch breitet sich die Infektion aus? Ohne Gegenmassen gibt ein Erkrankter das Virus an zwei bis drei weitere Personen weiter, also mindestens doppelt so viele wie das Grippevirus.

Welches sind die typischen Symptome einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus? Als häufigste Symptome wird über Fieber und Husten berichtet. Unter 20% in absteigender Häufigkeit werden geklagt: Kurzatmigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, verstopfte Nase und Durchfall.

Wie verläuft die typische Infektion und welches sind die Komplikationen? Die Infektion verläuft häufig sehr mild, mitunter asymptomatisch. Ab dem 50. Altersjahr und bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herz- oder Lungenkrankheiten, Diabetes und Immunschwäche steigt indes das Risiko für Komplikationen. Hauptproblem sind Lungenentzündungen, häufig beidseitig, bis hin zum lebensbedrohlichen Atemnotsyndrom. Die Lungenentzündung entwickelt sich relativ rasch innerhalb von zwei bis sieben Tagen nach Erkrankungsbeginn. Ausgehend von den ersten Symptomen kommt es im Falle von Lungenproblemen innerhalb von vier bis fünf Tagen zur Hospitalisation, bis zum akuten Lungenversagen vergehen neun Tage und bis zur Intubation zehn Tage. In schweren Fällen liegen die Betroffenen bis zu sechs Wochen im Spital. Bis zum einem Viertel der Patienten, die stationär aufgenommen werden müssen, brauchen intensivmedizinische Behandlung. Diese Zahlen erklären die drastischen Massnahmen, die viele Regierungen weltweit ergriffen haben, da kaum ein Land im Falle einer unkontrollierten Welle in der Lage ist, die akutmedizinische Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Wie lange ist ein Erkrankter mit komplikationslosem Verlauf ansteckend? Viren wurden im Schleim bis zum achten Tag nach Symptombeginn nachgewiesen. Aus diesem Grund sollten Erkrankte mindestens 10 Tage nach Symptombeginn und mindestens zwei Tage komplett beschwerdefrei sein, bevor die Isolation beendet wird.

Sind Kinder, Schwangere und ungeborene Kinder gefährdet?
Nach bisherigen Erkenntnissen scheint die Erkrankung bei Kindern eher mild und unspezifisch zu verlaufen. Es gibt bisher keinen Anhalt dafür, dass die Verläufe bei Schwangeren schwerer sind. Für die ungeborenen Kinder sind noch keine Aussagen möglich.

Kann das Virus auf Oberflächen überleben? Viren können grundsätzlich auf Gegenständen überleben. Im Falle vom Corona-Virus gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Erst war von Stunden und später von mehreren Tagen die Rede. Häufig benutzte Gegenstände sollten vorsorglich gereinigt werden. Dazu gehört meines Erachtens auch das Handy und das Smartphone, das bei Gebrauch zu Hause mit Alkohl gereinigt werden sollte, bevor man sich die Hände wäscht. Besser noch, man benutzt das Handy bzw. Smartphone auswärts nur im Notfall. Beim Einkauf von gekühlten Lebensmittel sind die Griffe der Kühltruhen als pontentiell infektiös anzusehen, weshalb an einer Hand ein Plastikhandschuh getragen werden sollte, mit die kritischen Stellen angefasst werden können.

Wann wird es eine Impfung geben? Bei allem Optimismus ist frühestens Ende des Jahres mit einem Impfstoff zu rechnen. Es braucht Studien, die Wirksamkeit und Sicherheit nachweisen, ein Zulassungsverfahren und Produktionsstrassen. Der weltweite Bedarf ist enorm und es wird sicher Frühjahr 2021 bis mit flächendeckenden Impfungen begonnen werden kann. Bis dahin müssen wir uns notgedrungen mit dem Virus arrangieren. Auch nach der ersten Welle ist die Sache nicht ausgestanden. Solange nicht ein Grossteil der Bevölkerung, d.h. in der Grössenordnung von 80 Prozent immun ist, gibt es keinen Herdenschutz, der die Ausbreitung unterbindet.

Was kann die Schweiz tun, um die Welle abzuschwächen? Die Einhaltung der Distanz von zwei Metern zu anderen Menschen, mit denen man nicht im gleichen Haushalt lebt, der Verzicht auf das Händeschütteln, das regelmässige Händewaschen, insbesondere wenn man nach Hause kommt, Niesen in ein Taschentuch oder in den Ellbeuge müssen zur selbstverständlichen Routine werden. Besonders gefährdete Personen sollten grundsätzlich zu Hause bleiben, höchstens kurze Spaziergänge auf niedrigfrequentierten Wegen unternehmen. Man kann nicht genug betonen, dass ältere Mitbürger über 65 Jahre und Personen mit Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen, Immunschwäche oder Diabetes möglichst zu Hause bleiben sollten.

Dürfen Personen mit Risikofaktoren noch arbeiten gehen? Idealwereise sollten diese Personen zu Hause bleiben. Vom Arzt kann bei Bedarf eine Bescheinigung für den Arbeitgeber eingeholt werden, die die Zugehörigkeit zum gefährtedeten Personenkreis attestiert. Die Arbeitgeber sind für das gesundheitliche Wohlergehen der Mitarbeiter zuständig. Können die vom Bundesamt für Gesundheitswesen empfohlenen Sicherheitsmassnahmen am Arbeitsplatz nicht garantiert werden, muss der betreffende Arbeitnehmer vom Arbeitsplatz fernbleiben. Auf den Seiten des Bundesamt für Gesundheitswesen finden Sie hierzu ein ausführliches Kapitel.

Wann soll ich mich testen lassen? Die Frage ist nicht so ganz einfach zu beantworten, da die Empfehlung sich laufend ändern, nicht zuletzt auch in Abhängigkeit der Verfügbarkeit des Tests. Dies Unklarheit ist sehr unbefriedigend. Je mehr getestet wird, desto besser wissen wir Bescheid, wie rasch sich die Pandemie ausbreitet und erlaubt der Regierung zu entscheiden, ob weitere Massnahmen nötig sind. Wenn aber nicht genügend Testmaterial verfügbar ist, muss die Strategie angepasst werden. Grundsätzlich macht der Test nur Sinn, wenn Symptome vorliegen - auch wenn es asymptomatische Personen gibt, die Viren ausscheiden und andere infizieren können. Symptomatische Personen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, müssen sich immer testen lassen. Bei Personen, die mit anderen Menschen im gleichen Haushalt leben, insbesondere mit Personen mit erhöhtem Risiko, sollte der Test ebenfalls durchgeführt werden.

Gewisse Blutdrucksenker könnten das Risiko für schwere Verläufe erhöhen? Es gibt keine gesicherte Evidenz, weshalb keine Umstellungen vorgenommen werden sollten. Es wurden auch Medikamente verdächtigt, die zwischenzeitlich sogar therapeutisch genutzt werden. Also Fake-News, so wie auch für Ibuprofen.

Was muss ich tun, wenn ich positiv getestet wurde? Sie müssen Sich isolieren. Wie das geht, ist dem Merkblatt des BAG, das zum Download zur Verfügung steht, zu entnehmen.

Was muss ich tun, wenn ich mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatte oder zusammenlebe?
Sie müssen eine Selbst-Quarantäne praktizieren. Auch hierfür hat das BAG ein Merkblatt zum Download bereitgestellt.

Wie lange dauert diese Pandemie und Lockdown? Die bundesrätlichen Dekrete gelten vorerst bis zum 19. April. Es ist allerdings mit einer Verlängerung in modifizierten Form zu rechnen, weil die Situation bis dahin weiterhin kritisch bleiben wird. Wenn die erste Welle im Juni überstanden ist, ausreichend Material für konsequentes Testen verfügbar ist, könnten die Massnahmen gelockert werden. Nebst dem bisherigen PCR-Test zum Nachweis einer akuten Infektion mittels Abstrich steht neu auch ein einfacher Blut-Test zur Verfügung, um feststellen zu können, ob jemand die Krankheit schon durchgemacht hat und somit immun ist. Normalität wird es erst geben, wenn entweder ein Grossteil der Bevölkerung die Krankheit durchgemacht hat oder eine Impfung zur Verfügung steht. Die Herdenimmunität dürfte vor der Vermarktung eines Impfstoffes eintreten. Trotzdem ist die Impfung nötig, um die verbleibenden nicht immune Bevölkerung zu schützen.

Soll ich eine Maske tragen? Das Tragen einer Maske wird kontrovers diskutiert. Immer wieder wurde betont, dass eine Maske nur für Infizierte nötig sei. Stellt sich doch die berechtigte Frage, wieso Ärzte und Pflegepersonal im Kontakt mit Infizierten eine Maske verwenden. Die Wahrheit ist, dass das Tragen überall da Sinn macht, wo die soziale Distanz von zwei Metern nicht sicher eingehalten werden kann, wie z.B. beim Einkaufen. Wer hingegen beim Spazieren eine Maske trägt, übertreibt es definitiv. Eine Maske sollte korrekt getragen und entsorgt werden, sonst ist sie nur ein Scheinsicherheit. Ich empfehle allen Personen, die zur besonders gefährdeten Risikogruppe zählen, als zusätzliche Sicherheit eine Maske zu tragen, wenn die soziale Distanz schwierig einzuhalten ist - sollte man keine Maske haben, muss die Distanz umso konsequenter eingehalten oder der betreffende Ort gemieden werden. Es gibt erfreulicherweise genügend Hilfsangebote, um als gefährdete Person nicht einkaufen gehen zu müssen. Bitte machen Sie davon Gebrauch!

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